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Jules Verne



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Julius Verne

Leben und Schaffen
Der auch heute noch weltbekannte und gelesene, als einer der Erfinder des Science-Fiction-Romans geltende Autor wuchs im Reederviertel der Hafenstadt Nantes als ältestes von fünf Kindern eines Anwalts und einer aus Reederkreisen stammenden Mutter auf. Mit elf versuchte er heimlich eine Seereise als Schiffsjunge anzutreten, wurde aber im letzten Moment noch von Bord geholt. Danach absolvierte er das Gymnasium und studierte Rechtswissenschaften, weil er die väterliche Anwaltspraxis übernehmen sollte.
Spätestens als Student in Paris begann er allerdings zu schreiben und erhielt Kontakt zur Welt der Literaten, unter anderem zu Alexandre Dumas dem Älteren, der ihn etwas protegierte, und zu Alexander Dumas dem Jüngeren, mit dem er sich anfreundete. Er blieb nach Abschluss des Studiums (1850) in Paris und versuchte sich zunächst vor allem als Bühnenautor in verschiedenen Genres, von der Tragödie bis zum Opernlibretto.
1851 erschien in einer literarischen Zeitschrift sein erster erzählender Text. Dessen Sujet 'Seefahrt und Reisen' ließ Verne hinfort nicht mehr los, obwohl er zunächst noch weiter auch Libretti, Komödien und Erzählungen mit ganz anderer Thematik schrieb. 1855 erschien sein erster Reise- und Abenteuerroman Un hivernage dans les glaces (= Ein Winter im Eis).
1857 heiratete er eine Witwe mit zwei Kindern (mit der er bald ein drittes hatte) und versuchte sich danach einige Jahre zwecks Broterwerb mäßig erfolgreich in dem bürgerlichen Beruf eines Börsenmaklers. Nebenher machte er zwei Schiffsreisen (nach Schottland und nach Norwegen), die ihm die Welt der Seefahrt erschlossen, und natürlich konnte er auch das Schreiben nicht lassen.
1862 lernte er den umtriebigen Jugendbuchverleger Pierre-Jules Hetzel kennen, der ihm seinen gerade fertigen ersten Science fiction-Roman Cinq semaines en ballon (= fünf Wochen im Ballon) abnahm, ihn für weitere Romane derselben Art verpflichtete und ihn zum publikumswirksamen Schreiben anleitete. Spätestens über Hetzel kam Verne in Kontakt mit Naturforschern und Erfindern, die seine Kenntnisse erweiterten, ihn fachlich berieten und ihm Ideen eingaben.
Nach dem Erfolg der Cinq semaines hatte er seinen Durchbruch als Autor geschafft und konnte nun gut von seiner Feder leben. In den folgenden Jahren schrieb er zahllose Romane, die meist fortsetzungsweise in Hetzels Jugendzeitschrift Magazin illustré d'éducation et de récréation (einer illustrierten Zeitschrift für Bildung und Freizeit) erschienen, ehe sie auch als Buch herauskamen. Vernes eigentliche Domäne hierbei waren und blieben Reise- und Abenteuerromane mit mehr oder weniger großem Science fiction-Anteil, in dem er mit viel wissenschaftlicher und technischer Intuition sowie mit Hilfe seines immensen Zettelkastens manche später realisierte Entwicklung vorwegnahm.
Seine sich an ein vorwiegend jugendliches und passabel gebildetes männliches Publikum richtenden Bücher haben nicht nur in Frankreich Epoche gemacht, sondern dank Übersetzungen in ganz Europa und Amerika. Die bekanntesten sind: 1863/64 Voyages et aventures du capitaine Hatteras (= Reisen und Abenteuer von Kapitän H.); 1864 Voyage au centre de la Terre (= Reise zum Mittelpunkt der Erde); 1865 De la Terre à la Lune (= von der Erde zum Mond); 1869 Autour de la Lune (= rund um den Mond) sowie Vingt mille lieues sous les mers (= 20.000 Meilen unter dem Meer).
1872 kam Le Tour du monde en quatre-vingt jours (= die Reise um die Welt in 80 Tagen) heraus, Vernes größter Auflagenhit, den er mit einem Co-Autor Adolphe d'Ennery erfolgreich auch für das Theater adaptierte. 1876 erschien der in Sibirien spielende Abenteuer-Politkrimi Michel Strogoff, "Der Kurier des Zaren" (so der Titel der deutschen Übersetzung), aus dem ebenfalls ein erfolgreiches Stück gemacht wurde.
Spätestens seit Le Tour du monde war Verne ein reicher Mann. Die Aufnahme in die Académie française, die er 1883 zu betreiben versuchte, misslang allerdings. Dafür machte er viele Reisen (z. T. mit eigenen Motor-Segel-Yachten) und gehörte - für einen Nichtbriten eher ungewöhnlich - dem renommierten Londoner Travellers Club an. In Amiens, der Heimatstadt seiner Frau, unterhielt er ein repräsentatives Haus. Ab 1888 war er dort auch (als liberaler Monarchist auf gemäßigt linker Liste) stets wiedergewählter Kommunalpolitiker aktiv, der sich insbesondere für die Stadtplanung und das Theater engagierte.
Nach 1880 hatte Verne seinen schöpferischen Zenit überschritten, doch schrieb und publizierte er bis kurz vor seinem Tod fast pausenlos weiter, wobei seine Technik- und Fortschrittsgläubigkeit nach und nach gedämpfter erscheint und er politisch zunehmend konservativ wurde. Seine Position in Frankreich als sehr populärer, von Generationen junger Leute gelesener Autor ist (bis auf die internationale Ausstrahlung) nicht unähnlich der von Karl May in Deutschland, wobei, ebenfalls wie bei Letzterem, der größte Teil seiner über 90 Romane, vor allem die späten, bald in Vergessenheit geriet.
Naturgemäß haben Vernes handlungsreiche Romane im 20. Jahrhundert viele Filmemacher gereizt. Nicht zufällig erhielt 1954 das erste Atom-U-Boot der Welt, die amerikanische Nautilus, den Namen des futuristischen U-Bootes von Kapitän Nemo aus Vingt mille lieues sous la mer. In Anlehnung an sein Buch De la Terre à la Lune wurden die Raumkapsel Apollo 11 und später der erste Space Shuttle Raumtransporter 'Columbia' genannt. (Ironischerweise war in De la Terre à la Lune 'Columbia' nicht der Name des Mondgeschosses, sondern der Name der Riesenkanone, die das Geschoss zum Mond schleuderte, dieses wiederum war eine Anlehnung an die Columbia Schlachtschiffkanonen des Amerikanischen Bürgerkrieges).


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